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Kunsthandwerk

Frau im traditionellem Kleid.

Die Volkstracht der Frauen
Früher drückte sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sippe oder einem Stamm in der Kleidung aus. Dann erweiterte sich der Kreis auf ein Dorf oder eine Stadt, bis schließlich ein ganzes Gebiet erfasst wurde und man letztlich von einer Nationaltracht sprechen kann. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es leicht, die Herkunft einer Frau durch ihre Kleidung zu bestimmen, man konnte oft sogar den Ort feststellen, aus dem sie kam. Seit den 1920er Jahren und mit Einzug moderner Verkehrsmittel in Palästina wurden die Besonderheiten der Kleidung in anderen Landesteilen bekannt und übernommen. Manche Besonderheiten einzelner Trachten verwischten sich, einige Trachten aber behielten ihrer traditionelle Form, wie beispielsweise die der Frauen von Bethlehem.

Unterschiedliche Trachten

Trotz der ursprünglichen Besonderheiten der Trachten in den verschiedenen Landesteilen kann man bei den meisten von ihnen gemeinsame Elemente feststellen, die die typische palästinensische Tracht charakterisieren. Das betrifft in erster Linie den Schnitt der Gewänder, die Verteilung der Stickerei auf ihnen und die Wiederkehr ganz bestimmter Stickmotive. Die Tracht besteht im Wesentlichen aus einem langen Kleid mit engen oder weiten Ärmeln, einem Gürtel, einer Kopfbedeckung mit aufgenähten Münzen und einem langen Schleier darüber.

Palästinensische Stickerei

Die palästinensische Stickerei wird hauptsächlich in drei Techniken ausgeführt: Kreuzstich, genannt Bauernstich (al-fellahiye), Kordelstickerei (tahrin und raschiq) und Plattstich (laff). Dazu kommt noch der Saum- oder Applikationsstich, mit dem der Kleidersaum verziert und die verschiedenen Seiden- und Samtstücke aufgenäht werden. Als Stickmaterial dient Seide, manchmal auch Baumwolle.Der Kreuzstich dominiert. Er ist auf jedem Kleid zu finden, ausgenommen auf denen aus Bethlehem. Bei dieser Art von Stickerei werden zählbare Muster gebildet. Die vorherrschende Farbe ist Rotbraun und werden je nach Geschmack durch verschiedene leuchtende Farben ergänzt. Bei der eleganten Kordelstickerei werden auf Seide (hermes) dicke, gezwirnte Seidenfäden aufgenäht. Sie ist typisch für Bethlehem und war ursprünglich nur dort zu finden. Bei dieser Technik werden wellen- und kreisförmige Ornamente, inspiriert durch Blüten und andere pflanzliche Motive, gebildet. Die Grundfarben sind Gold, Silber und Rot. Der Plattstich dient zur Füllung von Leerräumen in den Ornamenten der Kordelstickerei und bildet somit kein selbstständiges Element in der palästinensischen Stickerei. Auch hier wird mit vielen verschiedenen leuchtenden Farben gearbeitet.Die Formen und Namen der Grundornamente, die in den meisten Gegenden Palästinas verwendet werden, beruhen auf der Verbindung der Palästinenser mit ihrer natürlichen Umgebung und ihrem gesellschaftlichen Leben. Folgende Motive sind zu finden: Zypressen, Ähre, Feder, hohe Palme, Rosen-"Reihe", Apfel-"Reihe", Tomaten-"Reihe", Blumentopf, Vögelchen, Igel, Kuhauge, Halskette, Pascha-Zelte, Monde, Sterne, Leuchttürme, Kissen, Schwert-"Reihe", Amulett, Sicheln.

Palästinensische Töpferwaren

Die Töpferei ist in Palästina ein uraltes Handwerk, dessen Geschichte bis in die jüngere Steinzeit zurückgeht. Archäologische Grabungen brachten Gefäße von unterschiedlichen Formen, die verschiedenen Zwecken dienten, zutage. Die Verzierung zeigte Ornamente, die dem Tier- und Pflanzenreich entstammten.
Durch Jahrtausende hindurch wurden Töpferwaren produziert. Die Menschen stellten die meisten Tongefäße, die sie im Haus zur Aufbewahrung des Öls, der Oliven und des Getreides benötigten, selbst her. Auch heute werden noch Töpferwaren in traditioneller Art und Weise hergestellt. Bei der Vorbereitung des Tons, beim Formen und beim Brennen der Gefäße werden einfache Produktionsmethoden angewandt. Die fußbetriebene Töpferscheibe ist allgemein üblich. Zentren dieses volkstümlichen Gewerbes waren die Städte Ramleh, Hebron, Akka und Gaza. Seit 1948 wird es nur noch in Gaza, Hebron und Nablus gepflegt. Das Dorf Al-Dschib bei Jerusalem war für seine Herstellung von Kochgefäßen berühmt.
Man fertigt überwiegend Gefäße für die Speisenzubereitung und zur Wasseraufbewahrung an. Sie haben spezielle Formen, die in den benachbarten arabischen Ländern nicht üblich sind. Außerdem werden auch die Körper einiger Rhythmusinstrumente, wie der durbakka, der tabla, der naqqara und der baze, aus Ton gefertigt. Je nach Dauer und Art des Brennvorganges sind die Töpferwaren hell (rötlich oder beige) oder schwarz (typisch für Erzeugnisse aus Gaza). Viele Gefäße sind rot oder schwarz verziert, manchmal mit pflanzlichen Motiven, meist aber mit einfachen Linien und Ornamenten ohne Bedeutung. Bestimmte Gefäße, wie Töpfe, Teller und große Vorratsgefäße für Öl, werden glasiert.

Perlmuttarbeiten

Bethlehem ist nicht nur für seine einzigartige Stickerei sondern auch für seine Perlmuttarbeiten berühmt. Es ist die einzige Stadt Palästinas, die bis heute diese Kostbarkeiten herstellt.
Auch die Perlmuttverarbeitung hat, wie die Glashütte von Hebron, jahrhundertealte Tradition. Begonnen wurde ursprünglich mit der Herstellung von Gebetsketten, die man an die nach Bethlehem kommenden Pilger als Andenken an die heiligen Stätten verkaufte. Seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich daraus eine breite Produktion von Schmuckvariationen, Einbänden für religiöse Bücher, Kästen in verschiedenen Formen und Größen, Modellen berühmter Gebäude - wie z. B. des Felsendoms von Jerusalem - und von Bildern, die z. B. die Geburt Christi darstellen. Zur Herstellung der Perlmuttkästen wurde auch Olivenholz und bei der Anfertigung einiger Arten von Perlmuttschmuck Silber verarbeitet.

Glas aus Hebron

Die Glasherstellung hat in Palästina eine uralte Tradition. In der Nähe der Mündung des Na'amin in den Golf von Akka entdeckten wahrscheinlich die Kanaanäer vor etwa 4.000 Jahren das Geheimnis der Glasherstellung. Wohl nach dem Erlöschen eines Feuers, das lange gebrannt hat, wird man festgestellt haben, dass sich aus dem reinen Seesand am Golf von Akka und einem sich zufällig am Feuerplatz befindlichem Material ein durchsichtiges Stück gebildet hatte. Daraufhin unternommene Versuche lösten das Geheimnis der Glasherstellung. Die Kanaanäer stellten daraus dann Gefäße her.
Die heutige traditionelle Glaswerkstatt von Hebron gehört zu den wichtigsten Elementen des palästinensischen künstlerischen Erbes. Diese Glasbrennerei wurde weltberühmt. Sie hat eine Jahrhunderte alte Geschichte. Leitung, Kontrolle und Arbeit in diesem Handwerksbetrieb liegen in der Hand einer Familie, den al-Natscheh, die ihr Berufsgeheimnis seit Jahrhunderten von den Vätern an die Söhne weitergegeben hat.
Das alte Verfahren wird bis heute im Werk praktiziert. Es werden mundgeblasene, handgeformte Krüge, Vasen, Lampen, Teller, Gläser und Halsketten in verschiedenen Formen, Farben und Größen hergestellt.  Das Glas hat vorwiegend blaue Färbungen, vor allem türkis und ultramarin, aber es werden auch hell- und dunkelviolette sowie honigfarbene Gläser hergestellt.

Olivenholzschnitzereien

Für die Bearbeitung von Olivenholz ist Jerusalem berühmt. Dieses Gewerbe ist jedoch im Gegensatz zur Glas- und Perlmuttherstellung höchstens 100 Jahre alt. Nur die Herstellung von Lampen aus Olivenholz und Olivenkernen ist von alters her bekannt. Sie wurde schon vor Jahrhunderten von vielen arabischen und ausländischen Reisenden erwähnt.
Der Zustrom von Pilgern und Touristen nach Palästina, besonders nach Jerusalem und Bethlehem, veranlasste die Bevölkerung, auch Holzschnitzereien als Andenken an Jerusalem zu verkaufen. Dosen und Schmuck, menschliche Figuren und Tiere wurden hergestellt. Das Holz dazu kam von den bei Jerusalem so reichlich vorhandenen Olivenbäumen. Dieses Holz zeichnet sich durch die Schönheit seiner Maserung und seiner Farbe aus. Hinzu kommen seine Festigkeit und Haltbarkeit. Olivenholz kann nur in völlig trockenem Zustand verarbeitet werden, da es sich sonst spaltet. Nach der Verarbeitung erhält es keine Politur, sondern wird nur mit "listro" (einer besonderen Flüssigkeit, gemischt mit Spiritus) oder Olivenöl eingerieben. Dadurch wird die Schönheit seiner natürlichen Farbe und Maserung erhalten.

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Frauen aus Ramallah.
Volkstracht aus Ramallah.