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Musik und Tanz

Das arabische Musikinstrument Ud
Ud

Rhythmus und Gesang in der palästinensischen Musik
Die arabische Tonleiter hat  - wie die westliche -  sieben Stufen, wird aber in 24 Vierteltöne unterteilt. Die europäische Musik geht von Dur und Moll aus, die arabische Musik jedoch hat 107 maqamat und 110 Rhythmen und es gibt  110 verschiedene Rhythmusgruppen. Auf dieser Basis bringt der arabische Künstler seine Leistungen in freier Improvisation dar. Es scheint, dass diese Menge von Möglichkeiten der arabischen Musik ihre Entwicklung zu einer komplizierten Operation gemacht hat, die viel Fleiß und Sorgfalt sowie besondere Möglichkeiten und Fähigkeiten erforderte. Auch deshalb erfolgte nur eine relativ geringe und langsame Entwicklung.

Ud, rebabe und qanun sind in der ganzen arabischen Welt weit verbreitet. Sie unterscheiden sich von Gebiet zu Gebiet nur in der Form ein wenig voneinander. Das gleiche gilt für die Rhythmus- und Blasinstrumente. Auch die musikalischen Tongruppen (maqamat) sind in der gesamten arabischen Welt verbreitet. Sie unterscheiden sich von Gebiet zu Gebiet lediglich durch die Art ihrer Zusammensetzung und ihre Beziehungen zueinander, nicht aber in ihrem Wesen.

Somit sind Volksmusik und -gesang in Palästina Teil der arabischen Musikwelt. Sie haben aber auch ihre spezifisch palästinensischen Merkmale, sowohl in den Melodien als auch bei Liedern und Instrumenten. Die wichtigsten Volksmusikinstrumente in Palästina sind die Saiteninstrumente, ud (arabische Laute), qanun (Zither), rebabe (einsaitiges Streichinstrument) und buzuq (langhalsig, mit drei Saiten). Als Blasinstrumente hat man die schababe (Längsflöte aus Metall), die naiy (Rohrflöte), den midschwis (doppelte Rohrflöte), den umhul (besteht aus zwei verschieden langen Rohren) und den mismar (eine hölzerne Schalmei). Als Rhythmusinstrumente dienen der tabl (Trommel), die durbakka (konische Trommel mit Keramikkörper), der daif (Tamburin), der mishar (großes Tamburin ohne Metallplättchen), der naqqaratan (Kesselpauke), die baseh, die faqaschat (Schellen), die tasat (Becken) und der mihbasch (großer hölzerner Kaffeemörser).
Die meisten palästinensischen Volksmelodien sind einfach im Aufbau ihrer musikalischen Sätze - eine Eigenschaft, die für die Volksmusik überhaupt kennzeichnend ist. Die Grundtongruppen, auf die sie sich stützen, sind vor allem der bayati, weiterhin der rast, der sikah, der adscham und der hedschas.

Volkstanz
Der traditionelle Volkstanz Dabke.
Volkstanz Dabke

Zur speziell palästinensischen Musik gehört auch ein Text, der gesellschaftliche und politische Probleme zum Ausdruck bringt. Das ist besonders auf die politischen Verhältnisse zurückzuführen, die Palästina in den Jahren der Besatzung durchlebte  - der Widerstand gegen die zionistische Einwanderung, Vertreibung und militärische Besetzung. In Palästina besteht zwischen Musik, Gesang und Volkstanz eine enge Verbindung. Alle palästinensischen Volkstänze werden von Musik und Gesang begleitet. So entsteht eine künstlerische Einheit aus einer Summe von Elementen - Musik, Gesang, Inhalt des Gesanges und Tanz. Lieder ohne Tanz kommen bei volkstümlichen Festen relativ selten vor, und umgekehrt finden Tänze am häufigsten im Rahmen musikalischer Darbietungen statt. Die wichtigsten Volkstänze sind dabke, sahdsche, samer und dahiy. Sie werden bei freudigen Anlässen getanzt, vor allem bei Hochzeiten, Volksfesten, offiziellen und religiösen Festen. Dabke ist ein Tanz der Jugendlichen, der zu Melodien auf dem midschwis, dem urghul oder der schababe getanzt wird. Man bildet dabei einen offenen Kreis, der vom lawwih gelenkt wird. Dieser schwenkt ein Tuch und dirigiert die Tänzer mit Bewegungen seiner Augen und Hände. Der Tanz beginnt mit einem Solospiel auf einem der genannten Instrumente. Dann fängt der qawwil, der Sänger der Gruppe, zu singen an, und die Gruppe beginnt mit leichten eintönigen rhythmischen Bewegungen der Füße. Auf Weisung des lawwih steigert sich bald deren Schnelligkeit. Nun beginnt sich die Gruppe mit gewandten Bewegungen um den Musiker zu drehen, wobei die Kreisform beibehalten wird, während sich der lawwih von Zeit zu Zeit von der Gruppe trennt und nach dem vorgegebenen Rhythmus freie Bewegungen ausführt. Musiker und Sänger setzen indessen Spiel und Gesang fort. Die Bewegungen der Tänzer verlieren während des Gesanges an Schnelligkeit, steigern sich aber wieder zwischen den Gesangsstufen. Die Worte der Lieder haben oft großen Einfluss auf die Entfachung der Gefühle und die Steigerung der tänzerischen Bewegungen, begeistern auch die Zuschauer und reißen sie mit.

Sahdsche unterscheidet sich von dabke durch die Formierung der Tänzergruppe: Die Männer stehen in einer oder in zwei einander gegenüberstehenden Reihen und wiegen sich in schöner Ebenmäßigkeit und Harmonie. Außerdem singen bei diesem Tanz alle Tänzer und klatschen dazu, ohne Begleitung durch Musikinstrumente.

Samer unterscheidet sich weitgehend von den beiden anderen Tänzen und ist vorwiegend im Süden Palästinas verbreitet. Bei diesem Tanz stehen sich zwei Reihen von Männern gegenüber, die gemeinsam bestimmte rhythmische Bewegungen ausführen. Eine der beiden Reihen singt dabei eine Gedichtstrophe in einer dem Hocharabischen nahekommenden Sprache. Darauf antwortet die zweite Reihe mit einer anderen Strophe oder dem Kehrreim. Am bemerkenswertesten bei diesem Tanz ist das Auftreten einer verschleierten Frau, die zwischen den beiden Reihen freie tänzerische Bewegungen ausführt. Sie ist mit einer aba'a (einem mantelartigen Umhang) verhüllt, deren Rand sie mit der einen Hand so vor das Gesicht hält, dass von ihr nur noch ein Auge sichtbar ist. In der anderen Hand hielt sie ursprünglich ein scharfes Schwert, das seit dem 19. Jahrhundert durch einen Stock ersetzt wird. Wenn ein Mann sie während des Tanzes mit der Hand berührt, darf sie ihn mit diesem Schwert auf die Hand schlagen. Dieser Tanz wird nur nachts getanzt, vorwiegend bei Vollmond. Es gibt keine Begleitung durch Musikinstrumente, die Stimmen der Gruppe und der Umstehenden jedoch sind von beeindruckender musikalischer Schönheit.

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Palästina besitzt eine Vielfalt an Künsten
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