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05.10.2020 13:47

Palästinensisches Statistikamt zum Lockdown: Solidarität in der palästinensischen Gesellschaft spielt eine Schlüsselrolle

Das Palästinensische Statistikamt hat in eine Umfrage, die sozialökonomischen Auswirkungen der Covid19-Pandemie (Corona-Virus) auf die palästinensischen Haushalte untersucht. Dabei wurden 9.926 Haushalte im Zeitraum vom 5. März bis 25. Mai d. J. (Lockdown) abgefragt.

Die ermittelten Daten dienen für den öffentlichen und privaten Sektor gleichermaßen, aber auch für internationale Institutionen. Sie sollen helfen, Programme zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu entwickeln.
Die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt Palästinas sind dramatisch. Nur drei von vier Hauptverdienern aller untersuchten Haushalte in der Westbank (73%) waren im Lockdown überhaupt erwerbstätig. Um die Pandemie zu bekämpfen wurden alle öffentlichen und privaten Einrichtungen im betreffenden Zeitraum geschlossen und die Menschen mussten zuhause bleiben. Dies sind die Hauptgründe für den Arbeitsstopp in der Westbank bei 68%.

Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen waren während des Lockdowns nicht an ihrem Arbeitsplatz (54%). Der staatlich angeordnete Lockdown nimmt damit unter den Gründen für Fehlzeiten von Arbeitnehmern, die höchste Zahl ein (75%). Die Auswirkungen betrafen insbesondere den Industriesektor (51%), der viel stärker als alle anderen Bereiche, wie z.B. der Agrarsektor (7%) betroffen war.

Es wurden in dem betreffenden Zeitraum auch insgesamt weniger Stunden gearbeitet. So kam es zu einem Rückgang der Arbeitsbelastung unter 80% aller Hauptverdiener. Dies war in der Westbank mit 83% stärker zu spüren als im abgeriegelten Gaza-Streifen mit 73%.
Die Corona-Pandemie hat Löhne und Gehälter in der Westbank und im Gaza-Streifen unterschiedlich stark beeinflusst. In der Westbank haben nur 23% der Hauptverdiener ihre Löhne erhalten, während bei 25% dies nur teilweise der Fall war. Insgesamt 52% haben während des untersuchten Zeitraumes gar kein Geld bekommen. Die befragen Hauptverdiener sind im Privatsektor (95%), im staatlichen Sektor (2%) und in anderen Sektoren (3%) tätig. Im Gaza-Streifen arbeiteten 31% ohne Lohn im untersuchten Zeitraum zu erhalten. Unterschiede gibt es auch zwischen Männern und Frauen: 26% der weiblichen Hauptverdiener erhielten nicht ihren vollen Lohn, was deutlich weniger ist als bei ihren männlichen Kollegen (52%).

Soweit die Haushalte den Zugang zur Gesundheitsversorgung benötigten, stand er ihnen im betreffenden Zeitraum auch zur Verfügung. Lediglich 4% der Haushalte hatten keinen Zugang. Als wichtigste Gründe für die Nichtinanspruchnahme der Gesundheitsversorgung wurden genannt: fehlendes Geld für die Bezahlung (23%) sowie die Angst, das Haus zu verlassen (11%).
Was die Beteiligung an Online-Bildungsangeboten in dieser Zeit betrifft, lag diese unterschiedlich hoch. Unter den Haushalten mit Kindern zwischen 6 und 18 Jahren, die bereits zuvor Bildungseinrichtungen besucht haben, beteiligten sich 51% an pädagogischen Aktivitäten (53% in der Westbank und 49% im Gaza-Streifen.) Die höchste Beteiligung verzeichneten Jerusalem (85%) und die niedrigste Hebron (39%).

Auch der Lebensstandard wurde von der Pandemie stark beeinflusst. Das Einkommen ging auf mehr als die Hälfte bzw. teilweise noch weiter zurück. Dies betraf zwei von fünf Haushalten. In der Westbank waren dies 46% und im Gaza-Streifen 38%. Nur 31% der Haushalte verfügten über finanzielle Reserven, um die Ausgaben während des Lockdowns zu decken. Falls ein neuer Lockdown droht, dann könnten nur drei von fünf Haushalten für lediglich einen Monat oder weniger die Ausgaben begleichen.

Weit mehr als die Hälfte aller untersuchten Haushalte sind in großer Sorge, nicht genug Lebensmittel zur Verfügung zu haben (61%). So leihen sich üblicherweise 58% der palästinensischen Haushalte Geld, um Güter, wie Lebensmittel zu kaufen. Während des Lockdowns ist dieser Prozentsatz weiter angestiegen (63%) (79% im Gaza-Streifen und 52% in der Westbank).
Während des Lockdowns spielte die Solidarität in der palästinensischen Gesellschaft eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die Haushalte. Die ermittelten Daten zeigen, dass 15% der Haushalte, die nun in Form von Lebensmittelgutscheinen und –Unterstützungen erhielten, vor dem Lockdown keine Leistungen in Anspruch nahmen. Staatliche Unterstützungen erhielten 5%, finanzielle Zahlungen von Freunden und der Familie (Inland) bekamen 4%.

Insgesamt 29% der Haushalte wünschen sich Geldunterstützungen ihrer Regierung, gefolgt von Beschäftigungsprogrammen (21%) und Lebensmittelgutscheinen (19%).

Den Volltext des PCBS-Berichtes finden Sie in englischer Sprache im beigefügten Dokument.

Dateien:
PCBS_Bericht.doc0.9 M

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