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02.02.2021 10:35

WHO-Bericht: Andauernde israelische Angriffe während der Covid-19-Pandemie

Im vergangenen Jahr kam es zu 59 israelischen Angriffen auf die palästinensische Gesundheitsversorgung in den besetzten Gebieten. Dies geht aus dem jüngsten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Allein in 42% (25 Fälle) wurden die Gesundheitsdienste behindert.

Quelle: WHO-Bericht v. 31.01.2021

Darunter sind 12 Fälle, in denen Krankenwagen gehindert wurden, einen Verletzten zu erreichen; 61% der dokumentierten Vorfälle (36) betrafen die Anwendung körperlicher Gewalt gegen medizinisches Personal, Krankenwagen und Gesundheitseinrichtungen. Insgesamt sechs Mal wurden medizinisches Personal, Krankenwagen, Patienten und Begleiter inhaftiert bzw. beschlagnahmt.
In den letzten drei Monaten des Jahres 2020 registrierte die WHO 15 Fälle von Gewaltübergriffen. Sieben Mal wurden Personen angegriffen und neun Mal die medizinische Gesundheitsversorgung verhindert. Darunter sind auch fünf verhinderte Hilfen zur Versorgung von verletzten Personen.

So befand sich am 24. November ein Team des PRCS in der Nähe des Checkpoints Tayaseer im nördlichen Jordantal, im Gebiet um Tubas in der Westbank um Erste Hilfe zu leisten. Das Team wurde körperlich angegriffen als es versuchte, einer Person, die eine Bauchverletzung durch ein Gummigeschoss erlitten hatte, zu versorgen. Mehrere israelische Soldaten versuchten, in den Krankenwagen einzudringen und den Verwundeten gewaltsam festzunehmen. Dabei wurde auch Tränengas auf den Krankenwagen abgefeuert, obwohl das notärztliche Team gerade den Verwundeten versorgen wollte.

Ein weiterer Fall ereignete sich am 11. Dezember als ein Sanitäter von PMRS mit dem Gewehr geschlagen und auf ihn eingetreten wurde. Er wollte bei einer Demonstration, die sich gegen den Ausbau einer Siedlung und die Landannexion in der Nähe des Dorfes Kufr Malek in der besetzten Westbank richtete, erste Hilfe leisten. Der Sanitäter berichtete, dass israelische Soldaten ihm Pfefferspray ins Gesicht sprühten und er auch Gas einatmete. Nachdem er das Bewusstsein verlor, wurde er in das Krankenhaus in Ramallah zur Behandlung selbst eingeliefert und konnte es erst nach einer Woche verlassen. Bei den Auseinandersetzungen wurden ebenfalls zwei Freiwillige des PRCS verletzt. Auch sie wurden körperlich angegriffen als sie gerade Erste Hilfe leisten wollten und mehrere Prellungen erlitten.

Am 04. November erschossen israelische Soldaten den 29-jährigen Bilal Adnan Ayed als dieser mit seinem Auto in Richtung eines Checkpoints in der Nähe des Dorfes A’warta nordöstlich des Gebietes von Nablus fuhr. Die Besatzungstruppen behaupteten, dass der getötete Palästinenser, sie überfahren wollte. Sie sperrten die Straße ab und verhinderten, dass ein Rettungswagen den am Boden liegenden Bilal Ayed erreichen konnte. Erst später kam ein israelischer Rettungswagen unter Hinweis auf den Getöteten und nachdem er schon abtransportiert worden war.

Nach Angaben der WHO setzten sich die Angriffe auf das palästinensische Gesundheitswesen und deren Beschäftigte auch im vergangenen Jahr fort. Sie werde daran arbeiten, so die WHO, dass Überwachungs- und Unterstützungssysteme für die im Gesundheitswesen Beschäftigten zu verbessern und sie zu stärken. Sie müssen besser geschützt werden und diese Angriffe sofort beendet werden.

Zum Volltext des englischsprachigen WHO-Berichtes


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