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19.03.2021 14:20

OCHA: Zerstörung und Beschlagnahmung von EU-finanzierten Häusern und Strukturen auf neuem Höchststand

Die israelischen Zerstörungen mit EU-Finanzhilfen errichteter Strukturen und Häuser für Palästinenser haben sich im Vergleich zu 2020 in diesem Jahr bereits verdreifacht. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der UN-Organisation OCHA hervor.

Israelische Zerstörungen palästinensischer Häuser in Humsa al-Bqai'a

Allein im Monat Februar haben israelische Behörden 153 palästinensische Gebäude in der besetzten Westbank und in Ost-Jerusalem abgerissen, die Bewohner zum Abriss gezwungen oder die betreffenden Objekte beschlagnahmt. Dies ist die vierthöchste Zahl in einem Monat seit Beginn der Dokumentation durch OCHA im Jahr 2009.

Diese Gewaltübergriffe führten zur Vertreibung von 305 Menschen im Februar, darunter sind auch 172 Kinder. Sie beeinträchtigen das Leben und den Zugang zu Dienstleistungen von 435 weiteren Menschen. Mit Ausnahme von zwei Gebäuden befanden sich alle anderen im C-Gebiet oder im besetzten Ost-Jerusalem. Sie wurden unter dem Vorwand einer fehlenden Baugenehmigung errichtet worden zu sein, abgerissen. Der monatlich zu erwartende Durchschnitt für 2021 (117) stieg damit um 65% im Vergleich zum Jahr 2020 (71) an.

In der Hirtengemeinde Humsa Al-Baqai’a im nördlichen Jordantal wurden fünf Mal Beschlagnahmungen durchgeführt, so OCHA und 82 Gebäude durch die israelischen Behörden abgerissen. Fast 80% der Strukturen (65) waren mit humanitärer Hilfe errichtet worden. Dazu zählten Wohnhäuser und Infrastruktur, deren Wert mind. 43.000 Euro beträgt. Im Zuge der fünf Beschlagnahmungen wurden 60 Menschen, darunter auch 35 Kinder vertrieben.

Nach einem Besuch in Humsa Al-Baqai’a forderte die humanitäre Koordinatorin Lynn Hastings die israelischen Behörden vergeblich auf, „alle weiteren Zerstörungen palästinensischer Häuser und Eigentümer unverzüglich einzustellen, damit (…) dieser am stärksten gefährdeten Gruppe Unterkünfte, Nahrungsmittel und Wasser zur Verfügung gestellt werden und diese Menschen in ihren Häusern bleiben können". Die besonders gefährdeten Strukturen sind mit mehr als 50% (im Vergleich zu 31% im Jahr 2020) jene Beduinen- und Hirtengemeinden in der besetzten Westbank. Sie verfügen nur über einen eingeschränkten Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten sowie Wasser, Infrastrukturen für Sanitär und Elektrizität.

Fast 90% aller im Februar abgerissenen oder beschlagnahmten Gebäude traf die Bewohner ohne vorherige Warnung im C-Gebiet. Dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich von 30% im Jahr 2020, 11% in 2017 und 8% in 2016.

Im Jahr 2021 dokumentierte OCHA bereits 93 Zerstörungen oder Beschlagnahmungen von Strukturen, die mit internationaler Unterstützung errichtet worden. Im Jahr 2020 waren es 157 Strukturen. Israelische Siedler zerstörten, entwurzelten oder stahlen von Spendern finanzierte Setzlinge bzw. Materialien für Infrastrukturen in Bruqin im Gebiet Salfit. Deren Wert gibt OCHA mit 2.300 Euro an.

In Ost-Jerusalem wurden 15 Gebäude von israelischen Behörden abgerissen bzw. mussten von Eigentümern selbst zerstört werden. Beim größten Vorfall am 22. Februar in al-Isawiyya zerstörten die israelischen Behörden ein Wohngebäude mit vier Wohnungen, 19 Menschen mit 10 Kindern wurden vertrieben. Bei Zusammenstößen während des Häuserabrisses wurde ein Palästinenser von einem Gummigeschoss verletzt. Am 10. Februar zerstörten die israelischen Behörden ein Wohnhaus im Dorf Tura al Gharbiya in Jenin. Es gehörte einem Palästinenser, der vor einem israelischen Gericht angeklagt worden war. Mit dem Häuserabriss wurde eine siebenköpfige Familie mit vier Kindern vertrieben. Aber auch eine weitere vierköpfige Familie verlor ihr Zuhause durch diese Zerstörungen.

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