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30.03.2021 13:38

Zum Tag des Bodens: 85% der Gesamtfläche des historischen Palästinas annektiert

Seit dem 30. März 1976 gedenken die Palästinenser am Tag des Bodens an die Opfer, die bei der Verteidigung ihres Landes durch illegale Beschlagnahmungen der israelischen Regierung getötet wurden. Auch in diesem Jahr versammeln sich viele Menschen zu Kundgebungen, nehmen an Gedenkmärschen teil und besuchen die Gräber ihrer Angehörigen.

Auch in mehreren arabischen Städten Israels sind für heute Nachmittag Gedenkveranstaltungen geplant, wie bspw. in den Städten Sachnin, Arrabeh, Deir Hanna, Kufr Kanna und Taybeh.

Das palästinensische Statistikamt veröffentlichte einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass inzwischen mehr als 85% der Gesamtfläche des historischen Palästinas von Israel annektiert wurde. Ende 2020 betrug die Zahl der Palästinenser etwa 13,7 Millionen. Davon leben aber nur 5,2 im Staat Palästina und etwa 1,6 in den Gebieten von 1948. Etwa 6,2 Millionen harren in umliegenden arabischen Ländern, vor allem in Flüchtlingslagern Fast 738.000 leben im Ausland.

Fortgesetzte Landbeschlagnahmungen

Die israelische Besatzung nutzt die gem. Osloer Abkommen getroffene Landklassifizierung in A-, B- und C-Gebiete aus, um die Kontrolle über das palästinensische Land weiter auszubauen. Dies gilt besonders über die C-Gebiete, die in Bezug auf Sicherheitsaspekte der vollständigen Kontrolle der israelischen Regierung unterliegen; 76% der als C-Gebiet eingestuften Gesamtfläche wird direkt von Israel ausgebeutet, davon werden 63% durch regionale Siedlungsräte kontrolliert. Ende 2020 betrug das Gebiet der Siedlungen etwa 542km². Dies entspricht 10% der Gesamtfläche der besetzten Westbank. Die beschlagnahmten Gebiete sind für Militärstützpunkte und militärische Ausbildungsstätten vorgesehen und machen 18% der Fläche in der besetzten Westbank aus. Die Mauer hat weitere 10% der Fläche der besetzten Westbank verschlungen und mehr als 219 palästinensische Gemeinden sind davon betroffen. Israelische Besatzungsbehörden beschlagnahmten etwa 8.830dunum palästinensischen Landes, weitere 11.200dunum wurden in Vorbereitung zu weiteren Beschlagnahmungen zu sog. Naturschutzgebieten erklärt.

Israelischer Siedlungsbau

Auch den völkerrechtswidrigen Siedlungsbau trieb die israelische Regierung weiter voran. Ende 2019 gab es 461 israelische Militärstützpunkte und –stätten, darunter 151 Siedlungen, 26 bewohnte Außenposten und 140 Siedlungsaußenposten. Die Zahl der Siedler erreichte Ende 2019 insgesamt 688.262; dies entspricht einer Wachstumsrate von fast 2,6%. Etwa 46% aller Siedler leben im Bezirk von Jerusalem. Dies sind 316.176 Siedler, davon 232.093 in Ost-Jerusalem einschließlich der Stadtteile, die von der israelischen Besatzungsmacht annektiert wurden.

Das Verhältnis der Siedler zur palästinensischen Bevölkerung in der Westbank beträgt 23 Siedler auf 100 Palästinenser. Die höchste Verteilung verzeichnet Jerusalem mit 69 Siedlern auf 100 Palästinenser. Dementsprechend stieg der Anteil des Siedlungsbaus und der Expansion vorhandener Siedlungen vor allem in der Westbank, wo die israelische Regierung den Bau von 6.719 neuen Siedlungswohneinheiten - zusätzlich zu ihren Plänen in dem Jahr insgesamt 12.159 Siedlungswohneinheiten zu errichten – genehmigte. Auch 11 neue Siedlungsaußenposten wurden genehmigt.

Siedlergewalt

Im Jahr 2020 nahmen auch die Siedlerangriffe auf Palästinenser und ihre Eigentümer zu. Es wurden insgesamt 1.090 Angriffe gezählt, was einer Zunahme von 9% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Zur Siedlergewalt zählen bspw. das Entwurzeln und Verbrennen von 8.925 Bäumen, 21 Autoattacken durch Überfahren von Palästinensern, Schießen auf 26 Personen und 47 Landübergriffe. Dabei wurden 445 Rinder getötet oder gestohlen und 350 Autos bzw. Fahrzeuge zerstört oder beschädigt.

Jerusalem: intensive Judaisierung und fortwährende Zerstörungen

Jerusalem und die umgebenden Randbezirke sind auch weiterhin von Häuserzerstörungen besonders gefährdet. Im Jahr 2020 beschädigten oder zerstörten israelische Besatzungskräfte 967 palästinensische Gebäude. Rund 30% davon befanden sich im Bezirk Jerusalem, gezählt wurden 296 Häuserzerstörungen, davon 180 in den Randbezirken der Stadt. Insgesamt 89 Mal wurden Palästinenser gezwungen, ihre Häuser selbst abzureißen. Im vergangenen Jahr stieg die Häuserzerstörung um 45% im Vergleich zum Vorjahr. Auch wurden weitere Hindernisse zur Erteilung von Baugenehmigungen für Palästinenser geschaffen.

Auch das UN-Büro von OCHA hat die israelische Politik, in palästinensischem Eigentum befindliche Gebäude zu zerstören und die Eigentümer zu vertreiben, dokumentiert: Seit 2009 wurden 7.514 Strukturen abgerissen, darunter auch 1.343 mit internationaler Finanzhilfe errichtete Gebäude. Es wurden 11.356 Menschen vertrieben und 123.788 waren davon betroffen. Allein Khirbet Homsa im Jordantal wurde im letzten Quartal 2020 dreimal abgerissen und dutzende Familien mit mehr als 40 Kindern obdachlos.

Israelische Gewalt gegen Palästinenser

Seit der Nakba im Jahr 1948 starben mehr als 100.000 Palästinenser durch israelische Gewalt. Zwischen 2000 und 2020 starben 10.969 Palästinenser. Das blutigste Jahr war 2014 mit dem Krieg gegen Gaza. Unter den 2.240 verstorbenen Palästinensern sind allein 2.181 während des Krieges im Gaza-Streifen getötet worden. Im vergangenen Jahr starben 43 Palästinenser, darunter neun Kinder und drei Frauen. Es wurden 1.650 Palästinenser verletzt. Im Dezember 2020 waren 4.400 Palästinenser in israelischen Gefängnissen inhaftiert, darunter 170 Kinder und 35 Frauen. Israelische Besatzungstruppen verhafteten im vergangenen Jahr insgesamt 4.634 Palästinenser, darunter 543 Kinder und 128 Frauen.

Dateien:
TagdesBodens.docx53 K

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