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15.07.2021 11:41

Botschafterin Dr. Daibes: Dank und Abschied aus Berlin

In Kürze werde ich mein Amt als Botschafterin Palästinas beenden und in meine Heimat zurückkehren. Für die intensiven Jahre der Zusammenarbeit möchte ich mich recht herzlich bedanken.

Es hat mir Freude bereitet, mit Ihnen gemeinsam in den vergangenen Jahren an der Gestaltung der deutsch-palästinensischen Beziehungen mitgearbeitet zu haben. Für mich waren es arbeitsreiche und spannende Jahre in Berlin.

Als ich im Jahr 2013 das Amt übernahm, waren es die persönlichen Erfahrungen und Vertrautheit mit der deutschen Kultur, die mir den Start in diesem wichtigen Amt leicht machten. Es war mir ein politisches und ein persönliches Anliegen, die Werte und Interessen beider Länder nachhaltiger miteinander zu verbinden, um die deutsch-palästinensischen Beziehungen stärker zu verzahnen. Meine Amtszeit war von einer Vielzahl wichtiger politischer Entwicklungen, aber auch von Herausforderungen geprägt.

Das Leben der Palästinenser wird durch die israelische Militärbesatzung bestimmt, die den Menschen ihre natürlichen Rechte und Freiheiten verweigert, während ihr Land kolonisiert, annektiert und zum eigenen Vorteil ausgebeutet wird. Unsere Erwartungen an Deutschland sind zweifellos hoch, denn unsere Situation hat sich stets verschlechtert, was aktives politisches Handeln erfordert. Doch die besondere Beziehung Deutschlands zu Israel wirft immer wieder ihre Schatten voraus und setzt der politischen Arbeit für Palästina Grenzen. 

Deutschland ist ein wichtiges Partnerland für Palästina. Ich denke an die regelmäßigen Zusammenkünfte des Deutsch-Palästinensischen Lenkungsausschusses, Besuche von Präsident Abbas und Regierungsvertretern, aber auch die vielen gegenseitigen Besuche auf Bundes- und Landesebene. Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen politischen Stiftungen, kirchlichen Organisationen, Städtepartnerschaften, NGOs, Solidaritätsgruppen sowie den Medien-  und Pressevertretern war eine der Prioritäten meiner Arbeit, um die deutsch-palästinensischen Beziehungen auf ein breites Fundament zu stellen. Auch die Arbeit mit der Palästinensischen Gemeinde, der größten Gemeinde in Europa, hat wichtige Impulse gesetzt.
Optimistisch stimmen mich das zunehmende Interesse in der deutschen Gesellschaft und ein gewachsenes Netzwerk an Freunden, Partnern und Organisationen, die dem politischen Druck trotzen und nicht aufgeben.

Die vergangenen Monate, die sowohl von der Pandemie-Bekämpfung als auch zuletzt dem Krieg gegen Gaza geprägt sind, waren für uns alle herausfordernd. Daher sind wir für die langjährige und verlässliche Unterstützung der Bundesregierung für den Staatsaufbau, die Infrastruktur und die Hilfen zur Bewältigung der Pandemie besonders dankbar. Wir haben einen tiefen Respekt für Deutschland, das sich dem Völkerrecht verpflichtet fühlt. Doch gerade die historische Verantwortung für Israel sollte im Einklang mit den eigenen Werten auch eine Verantwortung für die Palästinenser einschließen. Die weltweite Solidarität, die wir in den vergangenen Monaten erfahren haben, zeigt uns, dass der Kampf für Menschenrechte und Selbstbestimmung universell ist. Er ist Teil einer Bewegung gegen die anhaltende israelische Besatzung Palästinas. Nur wenn Palästinenser gleichberechtigt in einem souveränen Staat leben können, gibt es Freiheit, Sicherheit und Frieden für alle Menschen in der Region.

Ich danke Ihnen für die gemeinsame Zeit und bleibe hoffnungsvoll, dass die heranwachsende Generation unser Streben nach einem demokratischen, pluralistischen und vielfältigen Palästina fortführen wird. Es ist ermutigend zu wissen, dass es viele Freunde und Unterstützer auch in Deutschland gibt, die diesen Prozess mit aller Kraft unterstützen helfen.


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