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02.11.2021 20:33

104 Jahre Balfour-Deklaration: Die Altstadt von Hebron als Weltkulturerbe in Gefahr

Die Altstadt von Hebron, einschließlich der Al-Ibrahimi-Moschee ist eine von vier Stätten, die im besetzten Palästina als Weltkulturerbe anerkannt sind: Die Mauern und die Altstadt von Jerusalem, Battir als „Land der Oliven und der Weinreben – Kulturlandschaft südlich Jerusalems“, die Geburtskirche und der Pilgerweg in Bethlehem gehören ebenfalls zum Weltkulturerbe.

Al-Ibrahimi-Moschee in Hebron

Nachdem die Altstadt von Hebron im Jahr 2017 als Weltkulturerbe in die offizielle Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen wurde, kündigten die USA und Israel ihren Austritt aus der UNESCO an. Sie protestierten damit gegen die sog. „anti-israelische Voreingenommenheit“, was einen Widerspruch gegen die nationalen Rechte und Menschenrechte der Palästinenser bedeutet, darunter auch gegen die Anerkennung unseres Erbes und unserer kulturellen Rechte.

Ost-Jerusalem und Hebron sind die einzigen beiden Städte mit Siedlungen innerhalb städtischer Wohngebiete im besetzten Palästina. Das Hebron-Protokoll wurde 1997 unterzeichnet und dem Osloer Abkommen von 1995 hinzugefügt. Es sieht die Teilung der Stadt Hebron in zwei Teile vor: H1 unter palästinensischer Kontrolle und H2 unter der Militärherrschaft der Besatzungsmacht. Letztere macht 20% der Stadt Hebron aus mit der Folge, dass rund 45.000 Palästinenser von israelischen Besatzungstruppen und 600 Siedlern eingeschränkt und kontrolliert werden. Israels Siedlungspolitik untergräbt und verletzt das Hebron-Protokoll, internationales Recht und seine Normen sowie die Unverletzlichkeit der Stadt Hebron als UNESCO-Weltkulturerbe. Auch während der schwierigen Zeit der Pandemie-Bekämpfung leidet die palästinensische Bevölkerung Hebrons unter den Verstößen der gewaltbereiten Siedler und dem gewaltsamen Vorgehen der Besatzungstruppen.

Allein im Zeitraum vom Januar 2020 bis Juni 2021 dokumentierte das Hebron Rehabilitation Committe (HRC) mehr als 900 Verstöße gegen palästinensische Bürger und ihre Eigentümer. Darunter sind fast 350 Verstöße der Siedler und mehr als 60, die von Siedlern und der israelischen Besatzungsarmee gemeinsam verübt wurden. Zu den Verstößen zählen Angriffe auf Männer, Frauen und Kinder, willkürliche Festnahmen und die regelmäßige Schändung der Al-Ibrahimi-Moschee. In diesem Zeitraum wurden Mohammad Al-Hadid (17) und Mohammad Al-Feijat (15) im Jahr 2020, Islam Zahdeh (32) und Wafa‘ Al-Barad’i (37) im Jahr 2021 Opfer dieser Verstöße. Unter der dokumentierten Gewalt sind 300 Fälle, die in den ersten sechs Monaten d. J. stattfanden, wie 120 Angriffe auf Palästinenser (einzeln und zusammen), 98 Übergriffe gegen palästinensisches Eigentum, darunter Häuser und Geschäfte und 97 Fälle von Gewaltübergriffen gegen staatliches Eigentum, wie Plätze und Schulen.

Kolonialismus und Apartheid bleiben in Palästina eine offene Wunde. Seit der Unterzeichnung der Balfour-Deklaration, die das zionistische Projekt widerspiegelt, sind 104 Jahre vergangenen. Die Situation in der Stadt Hebron zeigt deutlich, wie die israelische Besatzungsmacht und gewaltbereite Siedler weiterhin die Sicherheit der Palästinenser, ihre Lebensgrundlagen und Präsenz auf ihrem eigenen Land bedrohen. Die Stadt Hebron ist nur ein Beispiel für die Auswirkungen der Balfour-Deklaration, die ihnen ihre nationale Rechte verweigern, einschließlich des Rechts, ihr kulturelles Erbe zu bewahren. Die internationale Gemeinschaft ist für den Schutz der palästinensischen Bevölkerung und ihres gefährdeten kulturellen Erbes in der Verantwortung.

Den englischsprachigen Volltext erhalten Sie hier.

FAQ zur Balfour-Deklaration erhalten Sie hier.


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