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10.03.2016 08:42

KAS-Studie: Palästinenser wünschen sich eine größere Vermittlerrolle Deutschlands

Eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung hat ergeben, dass viele Palästinenser eine zunehmende positive Sicht auf Deutschland haben. Sie wünschen sich eine größere Vermittlerrolle im Friedensprozess, eine Position, die bisher von den USA ausgefüllt wird.

Für die vorliegende Umfrage wurden Palästinenser, Israelis und Amerikaner über ihre Meinung mit Blick auf Deutschland und die USA, jedoch vor allem in Bezug auf den Palästina-Israel-Konflikt befragt. 

Der Leiter des palästinensischen Zentrums für Politik und Umfrageforschung Khalil Shikaki, der die Palästina-Umfrage leitete, verwies auf eine ganze Reihe von signifikanten Änderungen seit der letzten Umfrage, die Ende 2014 stattfand. Im Rahmen der aktuellen Umfrage wurden 1.270 zufällig ausgewählten erwachsenen Personen in der Westbank und Ost-Jerusalem sowie im Gaza-Streifen 64 Fragen gestellt. 

Demnach haben 69% aller befragten Palästinenser einen sehr guten oder guten Eindruck von Deutschland (2014: 49%) und 70% bewerten die Deutschen positiv. So sind 66% der Meinung, dass Deutschland die Staatlichkeit Palästinas unterstützen solle (2014: 59%) und 59% zeigten sich davon überzeugt, dass die deutsche Regierung für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern eintritt (2014: 46%). Mit 49% der Befragten sehen fast die Hälfte aller Palästinenser Deutschland als ehrlichen Makler an, was einen Anstieg von 21% seit Ende 2014 bedeutet. Shikaki hierzu: „Deutschland wird als Land, dass sich der Gerechtigkeit und der Fairness verpflichtet fühlt, wahrgenommen.“ 

Zugleich haben die Palästinenser ihren Glauben in die Vermittlerrolle der USA verloren: Nur 12% sehen die US-Außenpolitik noch positiv, im Vergleich zur deutschen Außenpolitik sind es 45%. So glauben auch nur 23% aller Befragten, dass die US-Regierung einen palästinensischen Staat unterstütze und nur 8% aller Palästinenser möchten überhaupt eine aktivere Rolle der USA. 31% wünschen sich, dass die EU diese Rolle einnehmen möchte, gefolgt von 26%, die sich für eine deutsche Rolle aussprachen.

Besonders kritisch werden die deutschen Rüstungslieferungen an Israel gesehen. Sie glauben, dass diese die Besatzung stärkt. 89% betrachten dies negativ (was fast identisch mit der Anzahl der Israels einhergeht, die eine militärische Zusammenarbeit als positiv betrachten). 

Die Umfrage in 2014 ergab, dass 74% aller Palästinenser sich “enge” oder sogar “sehr enge” Beziehungen zu Deutschland wünscht. In der aktuellen Umfrage sind 73% aller Befragten der Meinung, dass Deutschland gerade aufgrund seiner besonderen Geschichte, eine besondere Beziehung zu Palästina sowie Israel haben sollte. 

Was verbirgt sich hinter diesem starken Anstieg der positiven Einstellung gegenüber Deutschland? Shikaki sieht vor allem Deutschland Flüchtlingspolitik in den letzten Monaten dafür verantwortlich. So unterstützen 88% die deutsche Entscheidung, im Verlauf des vergangenen Jahres über eine Million Flüchtlinge aufgenommen zu haben. Dies hat die Wahrnehmung Deutschlands sehr positiv beeinflusst (86%). 

In Bezug auf Deutschlands Reaktion auf die Euro-Krise und dem Umgang mit Russland und der Ukraine sagte Shikaki: „Es gibt definitiv eine Bewunderung für Deutschland in seiner Führungsrolle und eine Überzeugung, dass Deutschland diese Dinge schaffen wird.“

Botschafterin Dr. Khouloud Daibes zur Studie: „Ich freue mich, diese Ergebnisse zu lesen. Sie zeigen das ausgeprägte Bewusstsein der palästinensischen Öffentlichkeit für den historischen und politischen Kontext Deutschlands. Es deutet auf eine Vertiefung der Freundschaft zwischen beiden Ländern hin. Palästinenser sehen Deutschland als guten und kritischen Freund für beide, Palästina und Israel. Es könnte eine entscheidende und positive Rolle spielen. Auf politischer Ebene drängen wir immer wieder unsere deutschen Kollegen dazu, eine solche Rolle zu übernehmen. Es ist gut zu sehen, dass die Öffentlichkeit in Palästina dem zustimmt.“

Die vollständige Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung erhalten Sie hier.


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