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03.01.2017 12:52

2016 - ein tödliches Jahr im besetzten Palästina

Für Palästinenser in der besetzten Westbank und im Gaza-Streifen war das vergangene Jahr eines der tödlichsten und gewalttätigsten der letzten Jahre. Im Jahr 2016 wurden weit mehr als 100 Palästinenser getötet. Die meisten starben durch Schüsse israelischer Besatzungssoldaten.

Die Welle der Gewalt begann im Oktober 2015 und forderte bis heute 246 Palästinenser, die von Israelis getötet worden. Allein zwischen Oktober und Dezember 2015 starben 135 Palästinenser, heißt es in einer Veröffentlichung der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan. 

Im Jahr 2016 dokumentierte Maan den Tod von insgesamt 129 Personen, die zwischen dem 01. Januar und dem 31. Dezember verstarben. Unter diesen Toten sind 111 Palästinenser (86% aller Verstorbenen), 15 Israelis (11,6%) und drei Ausländer (2,3%, ein Amerikaner, Sudanese und Jordanier). 

97,3% der getöteten Palästinenser starben durch israelische Besatzungssoldaten. Aus der Statistik heraus entsteht ein Bild des durschnittlichen Palästinensers, der während dieser Zeit getötet wurde: Er ist ein junger Mann, ein älterer Jugendlicher oder in den frühen Zwanzigern aus der Westbank, dem Distrikt von Hebron. Von hier stammen 34 Palästinenser (30,6%) der Verstorbenen. 

Geographisch betrachtet starben die meisten Palästinenser in der Westbank, 17 davon in Jerusalem und sieben im Gaza-Streifen und fünf in Israel. Unter den Todesopfern im Gaza-Streifen sind zwei palästinensische Kinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren. Beide starben durch einen israelischen Luftangriff. 

Von den 111 getöteten Palästinensern sind 99 männlich. Das Durchschnittsalter betrug 23 Jahre. Jedoch starben sehr häufig Jugendliche im Alter von 17 Jahren. Insgesamt waren es 14. 

Das DCIP (Defense for Children International – Palestine) gibt sogar an, dass 2016 das tödlichste Jahr für palästinensische Kinder in der besetzten Westbank im vergangenen Jahrzehnt gewesen ist. Seit Januar wurden nach Angaben von Maan 33 palästinensische Kinder und Jugendliche, die 17 Jahre alt oder jünger waren, getötet.  81 Verletzungen von palästinensischen Kindern, die überwiegende Mehrheit durch israelische Truppen zugefügt, dokumentierte das DCIP für das vergangene Jahr.  Zudem sind mehrere Todesfälle und Verletzungen dokumentiert, in denen Sanitär an der Versorgung der Schusswunden gehindert wurden.

Israelischen Besatzungssoldaten wurde ganz besonders im vergangenen Jahr von Menschenrechtsorganisationen vorgeworfen, sog. außergerichtliche Hinrichtungen zu vollziehen und mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Palästinenser, vor allem gegen Kinder und Jugendliche vorzugehen. Diese hätten keine unmittelbare Gefahr dargestellt, insb. bei Zusammenstößen hätten sie entwaffnet bzw. durch nicht tödliche Mittel gestoppt werden können. So haben die israelischen Behörden in mindestens drei Fällen in 2016 zugegeben, „versehentlich getötet“ zu haben. Sie bestätigten zudem, dass Soldaten mit übermäßiger Gewaltanwendung gegenüber Palästinenser reagierten, die zum Zeitpunkt ihrer Tötung keine unmittelbare Bedrohung darstellten. In zwei Fällen sind die Opfer jeweils 15-jährige Jungen. 

Die israelische Regierung hält noch immer die sterblichen Überreste getöteter Palästinenser unter dem Vorwand, dass die Beerdigungen dieser Personen Anlass zur „Aufstachelung“ gegen den israelischen Staat mit sich bringen, zurück. Typischerweise werden im Fall einer Rückgabe der sterblichen Überreste die Beerdigungen an eine Vielzahl von Bedingungen geknüpft. Dazu gehören etwa die Begrenzung der Teilnehmerzahl und der Einsatz von israelischen Soldaten während einer Beerdigung. Die beiden NGOs ADDAMEER und ADALAH haben bereits im März in einer gemeinsamen Erklärung diese Praxis als schwere Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechte scharf verurteilt. 
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Das Foto zeigt den geschlossenen Checkpoint in der Stadt Tulkarem. Israelische Besatzungstruppen hatten zuvor ein 19-jähriges palästinensisches Mädchen erschossen. 

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