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11.04.2017 22:06

Ostern in Jerusalem 2017: 50 Jahre Besatzung

Jeden Frühling kommen Pilger aus aller Welt in die Heilige Stadt Jerusalem, um sich Palästinensern zu den Osterfeierlichkeiten anzuschließen. Es ist ein besonderes Ereignis, gezeichnet von bunten Prozessionen in der Altstadt Jerusalem und Pilgern, die sich entlang des Via De la Rosa Kreuzweges fortbewegen. Es ist eine Zeit der Besinnung, Erinnerung und Erneuerung.

Osterfeier der griechisch-orthodoxen und armenischen Kirche in der Grabeskirche in Jerusalem

Es sind inzwischen 50 Jahre seit der israelischen Besetzung der Stadt Jerusalem vergangen und mit ihr gingen die Bewegungseinschränkungen und Restriktionen einher. Vor der Besetzung Ost-Jerusalem, vor 1967 kamen viele palästinensische Christen aus der ganzen Region nach Jerusalem, um Ostern zu feiern. Große Scharen von Menschen aus aller Welt prägten die Stadt in diesen Ostertagen, die sich ihren christlichen Brüdern und Schwestern in Palästina anschlossen.

Doch mit der israelischen Besatzung und ihrer Politik der Kontrollpunkte, der Barrieren und der schwierigen Erlangung von Genehmigungen wurde der Zugang für die palästinensischen Christen, Jerusalem zu erreichen, stark behindert. Passiergenehmigungen werden von Israel in der Regel nur ein oder zwei Familienmitgliedern erteilt, die gemeinsam feiern wollen und sind damit schwer zu bekommen. Darüber hinaus müssen diejenigen, die Genehmigungen erhalten und nach Jerusalem reisen dürfen, mehrere Checkpoints passieren und sind oft langen Kontrollen, Belästigungen und Demütigungen ausgesetzt. 

Ostern ist eine Zeit der Reflexion über diese harten Umstände der Besatzung, eine Realität, die viele Palästinenser erleben. Es ist aber auch eine Zeit der Hoffnung, in der es vielen schwer fällt, sie aufrechtzuerhalten. Jerusalem ist der Ursprung der drei monotheistischen Glaubensrichtungen und sie ist eine reiche kulturelle und religiöse Stadt. 

Doch nach 1967 hat Israel mehrere Maßnahmen ergriffen, um Jerusalem zu einer "ungeteilten und ewigen Hauptstadt des jüdischen Volkes" zu machen, indem es eine jüdische Mehrheit in Jerusalem aufrechterhält und es eine jüdische, historische und religiöse Erzählung, auf Kosten anderer Glaubensbekenntnisse im besetzten Ost Jerusalem, fördert. Und in vielen Fällen beschränkt Israel christliche und muslimische Stätten und Feiern. Die stärkste Erscheinungsform dieser Politik ist die Beschränkung der Bewegungsfreiheit: Viele palästinensische Christen, die in der Westbank und im Gaza-Streifen leben, müssen eine Genehmigung beantragen und sind niemals sicher, ob sie diese erhalten und damit an den Feierlichkeiten teilnehmen können.

Trotz der Einschränkungen, der Belästigungen und der Demütigungen fahren die palästinensischen Christen immer wieder nach Jerusalem und führen die Tradition fort, die die christlichen Palästinenser in Jerusalem Jahrhunderte vor Beginn der israelischen Besatzung zelebriert haben. 

Sie leisten weiterhin der israelischen Besatzung friedlichen Widerstand und kämpfen um Gerechtigkeit und halten die Werte hoch, für die das Osterfest steht: Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung.

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