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21.12.2017 11:44

Gewaltsames Vorgehen der israelischen Besatzungsmacht: Ibrahim Abu Thuraja und Ahd Al-Tamimi sind Opfer der Militärbesatzung

Weltweit zeigen Menschen ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk und demonstrieren gegen die Jerusalem-Erklärung von US-Präsident Trump, die international scharf kritisiert und von der Internationalen Staatengemeinschaft abgelehnt wird. Auch in der Westbank und im Gaza-Streifen gehen die Menschen auf die Straße, um ihren Protest gegen die Verletzung von UN-Resolutionen zum Ausdruck zu bringen.

Die 16-jährige Ahd Al-Tamimi und der getötete 29-jährige Ibrahim Abu Thuraja

Unterdessen geht die israelische Besatzungsarmee mit heftigen Angriffen und Gewalt gegen die protestierende palästinensische Bevölkerung vor. Am vergangenen Freitag wurden allein vier Palästinenser, je zwei in der Westbank und zwei im Gaza-Streifen getötet und mehr als 150 verletzt. Die palästinensische Bevölkerung, insb. in Jerusalem, ist täglicher Gewalt ausgesetzt, über die in den deutschen Medien nichts zu erfahren ist.

Der Tod des 29-jährigen Ibrahim Abu Thuraja und die Verhaftung der 16-jährigen Ahd Al-Tamimi sind zwei aktuelle Beispiele dieser Gewaltexzesse. Beide sind Opfer der israelischen Militärbesatzung und einem jahrelangen Leidensweg ausgesetzt, der stellvertretend für viele Palästinenser ist.  

Ibrahim Abu Thuraja, mit beidseitiger Beinamputation in Folge des Gaza-Krieges in 2008, nahm am vergangenen Freitag an einer Kundgebung im Gaza-Streifen teil und wurde von Besatzungstruppen in den Kopf geschossen. Er starb noch an Ort und Stelle. Thuraja hatte bereits während des Gaza-Krieges in 2008 durch israelische Luftangriffe beide Beine und ein Auge verloren. Er war seitdem an einen Rollstuhl gefesselt. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Zeid Ra‘ad Al-Hussein sagte, der er „wirklich geschockt“ über die Tötung des Mannes gewesen sei. "Die Fakten, die meine Mitarbeiter in Gaza soweit gesammelt haben, legen dringend nahe, dass die Gewalt, die gegen Ibrahim Abu Thuraja angewandt wurde, überzogen gewesen ist", so Al-Hussein. Die israelische Besatzungsarmee teilte bereits am Montag mit, dass eine erste Untersuchung des Vorfalls kein Fehlverhalten seitens der Soldaten ergeben habe. 

Mit dem Tod von Abu Thuraja erhöht sich die Zahl der seit Beginn der Proteste gegen die US-Entscheidung zu Jerusalem getöteten Palästinenser auf zehn. 

Die 16-jährige Ahd Al-Tamimi wurde in ihrem Dorf Nabi Saleh, nordwestlich der Stadt Ramallah gelegen, am Dienstag festgenommen. Sie hatte ein Video in sozialen Netzwerken verbreitet, dass sie dabei zeigt, wie sie einem eingedrungenen Besatzungssoldaten ins Gesicht schlägt. Israelische Besatzungstruppen überfielen im Morgengrauen das Haus der Familie und konfiszierten Computer, Mobiltelefone und Kameras. Mit Ahds Verhaftung befindet sich nun die gesamte Familie, ihre Mutter und ihr Vater sind ebenfalls in israelischen Gefängnissen, in Haft. Al-Tamimi ist in ganz Palästina als Aktivistin bekannt, die gegen die Besatzungstruppen protestiert. Fast wöchentlich kommt es in ihrem Dorf zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Zusammenstößen. Bereits vor zwei Jahren schützte sie ihren jüngeren Bruder, dessen verletzter Arm in Gips bandagiert war. Gemeinsam mit ihrer Mutter stellte sie sich damals den Besatzungssoldaten, die ihn verhaften wollten, entgegen und zog ihn von den Truppen weg. 

Nach Angaben der Palestinian Prisoner’s Society (PPS) verhafteten die Besatzungstruppen seit der Ankündigung des US-Präsidenten, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, insgesamt 490 Palästinenser. Darunter sind 148 Minderjährige und 11 Frauen (Stand: 20.12.17). Die NGO Addameer hat dokumentiert, dass 6.198 Palästinenser seit Oktober von israelischen Besatzungstruppen festgenommen wurden. Ihren Schätzungen zufolge werden etwa 40% aller palästinensischen Männer irgendwann in ihrem Leben von Israel inhaftiert. 

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