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04.06.2018 11:54

Rettungssanitäterin Razan al-Najjar vom israelischen Militär getötet

Am vergangenen Freitag schossen israelische Besatzungstruppen auf die Rettungssanitäterin Razan al-Najjar, während sie im Einsatz war und verletzte Palästinenser auf einem Feld im Gaza-Streifen behandelte. Die 21-jährige erlag kurze Zeit später ihren schweren Verletzungen.

Die 21-jährige Razan al-Najjar

Al-Najjar befand sich zum Zeitpunkt des Beschusses 100m von der Grenze entfernt. Sie trug die übliche weiße Bekleidung der Rettungskräfte als sie von einem israelischen Scharfschützen in die Brust getroffen wurde. Mit ihrem Tod erhöht sich die Zahl der seit dem 30. März, dem Tag des Bodens, getöteten Palästinenser auf 119. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bisher 13.300 Palästinenser verletzt. Noch immer befinden sich rund 330 in einem kritischen Zustand. 

Die gezielten Attacken auf medizinisches Personal stellt eine schwere Verletzung des Völkerrechts, der Genfer Konvention dar und ist nach humanitärem Völkerrecht ein Kriegsverbrechen. Es ist weder das erste Mal noch ein Einzelfall, dass israelische Besatzungstruppen gezielt medizinisches Personal angreifen. Die Zahl der dokumentierten Angriffe auf medizinisches Personal, die zwischen dem 30. März und 27. Mai 2018 attackiert wurden, beträgt insgesamt 245. Auch 40 Ambulanzen sind in diesem Zeitraum von Übergriffen betroffen, so das palästinensische Gesundheitsministerium, der Palästinensische Rote Halbmond und die Union of Health Work Communities. 

Die Ermordung von Razan al-Najjar hat eine Reihe von Verurteilungen seitens der Internationalen Gemeinschaft hervorgerufen. Der Koordinator für humanitäre Hilfe, die WHO, OHCHR und OCHA forderten einen sofortigen Schutz für das medizinische Personal. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe Jamie McGoldrick forderte, dass die Mitarbeiter des Gesundheitswesens ihre Aufgaben ohne Angst vor dem Tod oder Verletzungen erfüllen sollen: „Die Tötung eines klar identifizierten medizinischen Personals durch Sicherheitskräfte während einer Demonstration ist besonders verwerflich. Es ist schwer zu verstehen, wie sich Israels Verpflichtung als Besatzungsmacht verbindet, um das Wohlergehen der Bevölkerung Gazas sicherzustellen.“

Der Leiter des UN-Büros v. Hohen Kommissar für humanitäre Hilfe Heenan kritisiert die tödliche israelische Gewalt und stellt sie in Frage: „Berichten zufolge wurde sie in etwa 100m vom Zaun entfernt erschossen. Nach den internationalen Menschenrechtsnormen, die in diesem Zusammenhang in Verbindung mit dem humanitären Völkerrecht gelten, darf tödliche Gewalt nur als letzter Ausweg und bei unmittelbar drohende Gefahr von Tod oder schwerer Verletzung angewendet werden. Es ist sehr schwer zu sehen, wie Razan eine solche Bedrohung für schwer bewaffnete, gut geschützte israelische Streitkräfte in Verteidigungsstellungen auf der anderen Seite vom Zaun darstellte.“ 

Schließlich forderte die WHO den Schutz von Gesundheitspersonal und Patienten zu jeder Zeit. „Heute denken wir an die Familie von Razan und an unsere Kollegen von der PMRS. Solche Angriffe auf die Gesundheitsversorgung dürfen nicht stattfinden. Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, um den Schutz unserer Mitarbeiter vor Ort zu gewährleisten. Es gibt klare Verpflichtungen, die Gesundheitsversorgung nach internationalem Recht zu sichern und diese müssen eingehalten werden.“

Während desselben Protestes am Freitag wurde ein weiterer Sanitäter durch scharfe israelische Munition verletzt. Insgesamt wurden an diesem Tag 100 Menschen verletzt,  davon 40 durch scharfe Munition. 

Die israelische Straflosigkeit muss enden. Israel muss seine Verpflichtungen als Besatzungsmacht erfüllen, das internationale Recht respektieren und für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Die internationale Gemeinschaft muss sich dafür einsetzen, dass die palästinensischen Zivilisten in den besetzten Gebieten geschützt werden. 

Die englischsprachige UN-Erklärung zum Schutz von medizinischem Personal erhalten Sie hier.

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