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21.12.2018 08:44

Weihnachtsbrief von Botschafterin Dr. Khouloud Daibes

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und mit der vorweihnachtlichen Jahreszeit ist wieder die Zeit der Besinnung und das Wartens angebrochen. Es ist der Moment inne zu halten und auf das Jahr 2018 zurückzublicken.

Motive der diesjährigen Weihnachtskarte der Palästinensischen Mission

Für die Palästinenser war es ein bedrückendes Jahr: Wieder stand die Stadt Jerusalem im Mittelpunkt des politischen Konfliktes, besonders nachdem die US-Regierung die Stadt Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat. Israel wird mit der Entscheidung der US-Regierung für seine eklatanten jahrzehntelangen Völkerrechtsverstöße, wie Siedlungspolitik und Landenteignungen, belohnt. Gestärkt durch diese Entscheidung erhält die israelische Regierung zudem grünes Licht, die nach internationaler Auffassung besetzten palästinensischen Gebiete völkerrechtswidrig zu annektieren. Dieser Versuch den Status von Jerusalem, aber auch die Kernthemen Siedlungen und Flüchtlinge vom bilateralen Verhandlungstisch zu nehmen, zerstört sowohl die Chance auf eine lebensfähige Zwei-Staaten-Lösung als auch jegliche Versuche, wieder in den Friedensprozess einzusteigen. 

Weitere Entscheidungen der US-Regierung bedrohen die ohnehin schon instabile Sicherheit der gesamten Region: Die Einstellung aller Finanzhilfen an das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNRWA) und die Neudefinierung des palästinensischen Flüchtlingsstatus ist ein beispielloser Schritt der Erpressung und Drohung. Ein solches Vorgehen lässt den gesamten Friedensprozess bedeutungslos werden. 

Palästinensischen Krankenhäusern in Jerusalem, spezialisiert und für die palästinensische Bevölkerung wichtige und oft einzige Anlaufstelle, droht inzwischen der Kollaps. Auch die Siedlergewalt gegen palästinensische Zivilisten geht weiter, ebenso wie außergerichtliche Tötungen und Häuserzerstörungen, während Israel unter den Augen der Weltöffentlichkeit seine Siedlungsunternehmen weiter vorantreibt. Letzteres haben wir im Fall der Beduinengemeinden von Khan Al-Ahmar erleben müssen. Rassistische Gesetze, darunter das Nationalitätengesetz, die Israel in diesem Jahr verabschiedete, diskriminieren in Israel lebende Palästinenser nun stärker als jemals zuvor und sprechen ihnen ihr Recht auf Selbstbestimmung ab.  

Solche politische Entwicklungen schüren Ängste und große Sorgen. Wir haben in diesem Jahr erleben müssen, wie enorme Anstrengungen unternommen wurden, um uns zu zwingen, unsere nationalen Bestrebungen für einen freien und souveränen Staat Palästina in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt aufzugeben. Heute ist es dringender als jemals zuvor, das palästinensische Volk und sein unveräußerliches Recht auf Selbstbestimmung zu unterstützen. Es drohen nicht nur irreversible Schäden für den Friedensprozess, sondern es werden die Friedensunwilligen gestärkt und der politische Konflikt angeheizt. Eine instabile Region kann nicht im Interesse der in der Region lebenden Menschen und auch nicht der Internationalen Gemeinschaft sein.

Wir Palästinenser sind stolz darauf, in der Stadt Bethlehem die Geburt Jesus Christus zu feiern und dieses Fest mit allen Menschen zu teilen. Die Botschaft der Hoffnung eint uns in unserem Wunsch nach Frieden, auch wenn er oft zerbrechlich und unerreichbar erscheint. Ich ermutige alle Menschen, die sich für eine friedliche und gerechte Lösung einsetzen, in ihren Anstrengungen und Bemühungen nicht nachzulassen. Es ist gut zu wissen, wie viele Menschen es in Deutschland gibt, die Anteilnahme zeigen und in Solidarität zu uns stehen. Ich danke all jenen für ihre Wortmeldungen zu Palästina, ihre guten Wünsche und ihr Mitgefühl. Uns allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr.

Berlin, im Dezember 2018

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Hinweis:

Das Bild zeigt Motive der diesjährigen Weihnachtskarte der Palästinensischen Mission: Hinter den 24 Türen eines Kalenders stellen wir Produkte palästinensischer Firmen vor. 

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