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20.03.2020 18:19

Botschafterin Dr. Khouloud Daibes anlässlich der aktuellen Entwicklungen zum Corona-Virus

In dieser Zeit mit enormen Herausforderungen, die uns alle betreffen, möchte ich mich persönlich an Sie wenden. Es macht mich sehr betroffen die täglichen Nachrichten zu verfolgen und zu sehen, wie die Zahl der Erkrankten auch hier in Deutschland immer weiter ansteigt.

Botschafterin Dr. Khouloud Daibes

Die Situation ist ernst und sollte von jedem auch so verstanden werden. Das Corona-Virus ist besonders gefährlich für diejenigen, die verletzlich sind. Mein Mitgefühl gilt allen Menschen, die von diesen Ereignissen betroffen sind. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommende Zeit und uns allen Gesundheit. Diese sollte für alle oberste Priorität haben. Das gilt hier in Deutschland, in Palästina und überall auf der Welt.

Auch in Palästina sind Menschen am Corona-Virus erkrankt. Aktuelle Zahlen belegen etwa 45 Erkrankte, vor allem in Bethlehem. Diese wichtige Stadt ist nun geschlossen, was die Situation für die palästinensische Bevölkerung zusätzlich erschwert. Schon unter der andauernden israelischen Besatzung haben die Menschen keine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, keinen verlässlichen Warenverkehr und nur bedingten Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Gestern Abend wandte sich Präsident Abbas in einer Rede an das palästinensische Volk. Mit dem ersten bestätigten Corona-Fall in Palästina habe er „die palästinensische Regierung beauftragt, alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz aller, der Pflege und Behandlung der Erkrankten erteilt“, so der Präsident. In seiner Rede erinnerte er an das Los der palästinensischen Gefangen, deren Schicksal nicht vergessen werden darf. Noch immer befinden sich mehr als 5.000 PalästinenserInnen in israelischen Gefängnissen, mehr als 400 in sog. Administrativhaft. Präsident Abbas  forderte die sofortige Freilassung der palästinensischen politischen Gefangenen in israelischer Haft und machte Israel für ihre Sicherheit verantwortlich. Die palästinensischen Gefangenen sind eine verletzliche Gruppe, die gegen die Ausbreitung des Corona-Virus geschützt werden muss.  

Die WHO hat die bereits getroffenen Maßnahmen der palästinensischen Regierung, darunter auch frühzeitige Schließungen und Appelle an die Bevölkerung, gewürdigt. Wir hoffen, dass sich das Corona-Virus nicht weiter in Palästina ausbreiten wird und die getroffenen Maßnahmen Wirkung zeigen. Michael Lynk, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen hat dazu aufgerufen, dass das „Recht auf Würde voraussetzt, dass alle Personen (…) den gleichen Zugang zu Gesundheitsdiensten und die gleiche Behandlung genießen sollen. Diese gesetzliche Pflicht ist in Art. 56 der Vierten Genfer Konvention verankert und Israel als Besatzungsmacht muss dies sicherstellen.“ Für die angebotene Unterstützung der Bundesregierung bei der Bekämpfung des Corona-Virus, aber auch für die wichtige Arbeit der UNRWA sind wir sehr dankbar.

Wir möchten alle Personen, die Kontakt mit der Palästinensischen Mission haben, nicht nur schützen, sondern auch aktiv unterstützen. Aus diesem Grund bleibt der persönliche Kontakt zu MitarbeiterInnen der Palästinensischen Mission auch weiterhin stark eingeschränkt. Gemeinsam arbeiten wir daran, diese schwierige Situation zu meistern und ganz besonders den wichtigen konsularischen Service für PalästinenserInnen in Deutschland aufrecht zu erhalten. Unseren konsularischen Service bieten wir online, schriftlich und telefonisch - und nur in Ausnahmefällen nach vorheriger Terminvereinbarung persönlich - an.  

Ich hoffe auf ihr Verständnis und wünschen uns allen Gesundheit.

Dr. Khouloud Daibes
Botschafterin

 

 

 

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