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27.03.2020 14:40

Zur Bekämpfung des Coronavirus in Palästina

Die palästinensische Regierung hat mit dem Ausbruch des Coronavirus in Palästina sofort umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Sicherheit der palästinensischen Bevölkerung eingeleitet und damit sehr frühzeitig reagiert.

Während die WHO erste Zahlen am 25.02.2020 veröffentlichte und vor der Verbreitung des Coronavirus warnte, gab es in Palästina noch keine bekanntgewordenen Fälle dieser Erkrankung. Das palästinensische Gesundheitsministerium forderte bereits am 27.02.2020 dazu auf, keine Reisen mehr ins Ausland zu unternehmen und sagte alle internationalen Konferenzen im Land ab. Zwei Tage später informierte das Gesundheitsministerium über die Entwicklung des Coronavirus im Ausland und gab bekannt, dass 129 Tests seit dem 20. Januar 2020 in Palästina vorgenommen worden sind, aber alle negativ waren.

Nachdem am 05. März erste Fälle in der Stadt Bethlehem bekannt wurden, verhängte Präsident Mahmoud Abbas den Ausnahmezustand und ließ alle Schulen, Kindergärten und Universitäten schließen. Jegliche öffentliche Aktivitäten, darunter auch Sportveranstaltungen, wie den jährlich stattfindenden Bethlehem-Marathon wurden untersagt, Hotelreservierungen für Touristen storniert. Die Stadt Bethlehem wurde vollständig abgeriegelt und isoliert.

Seit dem 06.03.2020 gilt der Notstand in Palästina für mindestens einen Monat. Einen Tag später bestätigte das Gesundheitsministerium die Zahl der Corona-Infizierten mit 16 Personen und seitens der palästinensischen Regierung wurden weitere Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehören die Schaffung einer zentralen Einrichtung für das Krisenmanagement, das in enger Abstimmung mit den Distrikten arbeitet (1), ein Medienkomitee, das unter Leitung des Regierungssprechers tägliche Berichte veröffentlicht (2), der Premier gab die sofortige Stornierung aller Hotelreservierungen für ausländische Touristen in Palästina bekannt (3), der Premier autorisierte die Minister und Leiter der öffentlichen Einrichtungen alle notwendigen Maßnahmen zur Reduzierung der Fortbewegung im öffentlichen Raum zu prüfen (4) und alle wichtigen Informationen wurden Beamten und Sicherheitskräften, insb. den Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums schriftlich ausgehändigt (5).

Der palästinensische Premier gab bekannt, dass seine Regierung in ständigem Kontakt zur jordanischen Regierung stehe und man die Schritte zur Bekämpfung des Coronavirus gemeinsam koordiniere. Am 10. März gab die Regierung bekannt, dass 1.225 Tests durchgeführt wurden, die mit Ausnahme der 26 bestätigen Fälle in Bethlehem alle negativ ausgefallen sind. Am gleichen Tag wurden alle Internet-Cafes in Ramallah bis auf Weiteres geschlossen. Nachdem weitere Tests, das Virus in Tulkarem, Nablus, Salfit und Hebron nachgewiesen hatte, ordnete der palästinensische Premier weitere Maßnahmen an, die die Ausbereitung des Coronavirus eindämmen sollen. Die palästinensische Bevölkerung soll nur für unbedingt notwendige Erledigungen ihre Häuser verlassen, um Gesundheitsreinrichtungen zu erreichen oder Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen. Alle palästinensischen Bürger, die aus dem Ausland zurückkehren, werden unter eine obligatorische Quarantäne für einen Zeitraum von 14 Tagen gestellt.

Zugleich appellierte die palästinensische Regierung an Israel als Besatzungsmacht, seine Verantwortung zu übernehmen und humanitäre Bedingungen für palästinensische Arbeitnehmer zu schaffen, ebenso für die palästinensischen Bürger der Stadt Jerusalem, die Gefangenen in israelischen Gefängnissen und Haftanstalten zu schützen sowie Kranke, Kinder und Frauen sofort freizulassen.   

Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Palästina obliegt das Krisenmanagement dem Nationalen Komitee, einem Zusammenschluss aus Regierungsvertretern, NGOs, UN- und WHO-Mitarbeiterin.

Bereits vor einer Woche rief UN-Sonderberichtserstatter Michael Lynk auf, den vollen Zugang zu Gesundheitsdiensten zu ermöglichen. Israel als Besatzungsmacht komme die gesetzliche Verpflichtung zu, so Lynk. Es gehe hier um einen menschenrechtsorientierten Ansatz und allen ihrer Autorität Unterstehenden gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdiensten und Behandlungen zu gewährleisten, betonte Lynk. 

Die Menschen im Gaza-Streifen sind besonders gefährdet. Das Gesundheitssystem stand bereits vor der Ausbreitung des Coronavirus kurz vor dem Zusammenbruch. Es mangelt an wichtigen Medikamenten und medizinischer Ausrüstung, die Energieversorgung ist anfällig und aufgrund schlechter Lebensbedingungen sind die Menschen auch körperlich anfälliger. 



Aktueller Stand vom 27. März 2020

91 bestätigte Coronainfektionen
17 wieder gesund
1 Todesfall

Weitere Informationen und Daten zur Situation in Palästina finden Sie auf den Seiten der WHO in englischer Sprache.

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