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14.08.2020 13:37

Palästinensischer Nationalrat: Ausbruch des Coronavirus bedroht das Leben der palästinensischen Gefangenen

In 21 israelischen Gefängnissen, Haftanstalten und Verhörzentren befinden sich derzeit 4.500 palästinensische Gefangene. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Statistik des Palästinensischen Nationalrates hervor.

Unter den Gefangenen sind 41 weiblich, 155 Kinder und 360 ehemalige Abgeordnete; 700 sind erkrankt, wovon rund 400 dringender medizinischer Versorgung bedürfen, wie bspw. Krebspatienten, Herzerkrankte und ältere Menschen. Der älteste inhaftierte Palästinenser ist der über achtzigjährige Fuad Al-Shobaki (Abu Hazem).

Die Mehrheit der Gefangenen stammt aus der Westbank (86%). Die anderen Gefangenen stammen aus dem Gaza-Streifen (6%) und Jerusalem sowie den Gebieten von 1948. Es gibt Gefangene, die seit mehreren Jahrzehnten inhaftiert sind. Unter den 14 Palästinensern, die sich seit mehr als 30 Jahren in israelischer Haft befinden, sind Karim und Maher Younis. Sie wurden am 6.01.1983 inhaftiert. Dutzende unter den Gefangenen wurden 2011 (im Rahmen des Shalit Austausches) freigelassen, jedoch 2014 erneut festgenommen und früherer Strafen erneut vollzogen. Sie verbrachten 20 Jahre und länger in israelischen Gefängnissen, wie bspw. Nael Barghouti, der seit 40 Jahren inhaftiert ist.

Seit 1967 verstarben 224 palästinensische Gefangene aufgrund von Folter oder an medizinischer Vernachlässigung in israelischer Haft. Während einige im Gefängnis verstarben, sind Hunderte andere unmittelbar nach ihrer Entlassung an den Folgen der Folter oder mangelnder medizinischer Versorgung verstorben.

Noch immer geben die israelischen Besatzungsbehörden sechs verstorbene Palästinenser nicht frei, so dass ihre Angehörigen die sterblichen Überreste nicht beerdigen können. Diese sind Anis Doula, der 1980 im Aschkelon-Gefängnis starb, Aziz Uweissat, der 2018 verstarb, Faris Baroud, Nasar Taqatqa und Bassem Al-Sayeh, die alle drei im vergangenen Jahr verstarben und Saadi Gharabli, der Anfang Juli d. J. getötet wurde.

Die Haftbedingungen in israelischen Gefängnissen sind sehr schwierig und sie verschlechtern sich tagtäglich. Die Gefangenen werden schikaniert, menschenunwürdig behandelt und misshandelt. Die Ausbreitung des Coronavirus, mangelnde Hygiene und die israelische Verachtung vor dem Leben der Inhaftierten verschlimmern die ohnehin schon schwierige Situation immer weiter. Zur offiziellen Bekanntgabe der israelischen Behörden, dass sich mehrere palästinensische Gefangene mit dem Coronavirus infiziert haben, kommt die Angst und Verunsicherung für diese und ihre Familien noch hinzu. Zu den Infizierten gehören Kamal Abu Wa’ar, Abdullah Shawka, Nabil Al-Sharbati, Na’im Turki und Mahmoud al-Ghaliz.

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