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Malerei

Zeichnung für die Restaurierung der Al-Aqsa-Moschee in Ost-Jerusalem, 1975, Jamal Badran.
Zeichnung für Restaurierung der Al-Aqsa-Moschee, 1975, Jamal Badran

Frühe Experimente
Aufgrund einer unsicheren und turbulenten palästinensischen Kunstszene in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es bis 1948 nur wenige Zeugnisse palästinensischer Kunstaktivitäten. Ein palästinensischer Künstler, der sich jedoch durch Professionalität und Talent auszeichnen konnte, war der 1905 in Haifa geborene Jamal Badran. Nach seinem Studium der arabischen Kalligrafie und Ornamentik in Kairo ging er 1927 nach London, um sich dort der angewandten Kunst zu widmen. Später arbeitete Badran als Lehrer für Kunst und Handwerk. Als stellvertretender Schulinspektor entdeckte er zahlreiche junge Talente, die er förderte und die, dank seiner Ermunterungen, Mitte der 1930er Jahre in Kairo Kunst studierten. Jamal Badran bevorzugte die arabisch-islamische Kunst, Kalligrafie und das traditionelle Kunsthandwerk. Sein Schaffen war fast ausschließlich diesen Genres gewidmet, und sein Einfluss war deutlich sichtbar in den Arbeiten seiner Schüler.
 

Pioniere zeitgenössischer palästinensischer Kunst
Wohin, 1953, Ismail Shammout
Wohin, 1953, Ismail Shammout

Die verheerenden Ereignisse des Jahres 1948 hatten auf palästinensische Talente eine aufrüttelnde Wirkung. Anstatt sich einem Leben bitterer Not in den Flüchtlingslagern zu ergeben, fanden sie ihren Weg in die Kunstakademien und Kunsthochschulen.
Einer von ihnen war Ismail Shammout. Als 18jähriger wurde er aus seiner Heimatstadt Lydda vertrieben. Nach zwei Jahren in einem Flüchtlingslager im Gaza Streifen ging er nach Kairo und studierte dort am Kolleg für Bildende Künste. Seine Arbeiten waren beeinflusst von Bildern menschlichen Leidens, die sein künstlerisches Auge beim Exodus seines Volkes gesehen und deren Zeuge er während des elenden und verzweifelten Lebens im Flüchtlingslager gewesen war. Die Modelle mit typischem ägyptischen Gepräge, die er in seiner Studienzeit malte, wurden in palästinensische ,,Themen" oder ,,palästinensisches Aussehen" verwandelt.

Etablierung der palästinensischen Kunst

Im Jahre 1953 brachte Shammout einen großen Teil seiner Werke nach Gaza, um seine erste Ausstellung zu veranstalten. Die am 29. Juli 1953 eröffnete Ausstellung war die erste, die jemals von einem palästinensischen Künstler auf palästinensischem Boden gehalten wurde. Mehr als 60 Arbeiten (in Öl, Wasserfarben und Zeichnungen) waren zu sehen, einschließlich des heute berühmten Werkes ,,Wohin".

Sohn des Märtyrers, 1960, Tamam Al-Akhal
Sohn des Märtyrers, 1960, Tamam Al-Akhal

Im selben Jahr kam eine andere palästinensische Künstlerin nach Kairo. Tamam Al-Akhal, 1935 in Jaffa geboren, hatte sie im Libanon Zuflucht gesucht und ging später zum Kunststudium nach Kairo. Dort traf sie Shammout und nahm mit einem dritten palästinensischen Künstler, Nihad Sibasi, an Shammouts zweiter Ausstellung, die 1954 in Kairo stattfand, teil.
Diese erste gemeinsame palästinensische Kunstausstellung außerhalb Palästinas wurde am 21. Juli 1954 vom ägyptischen Präsidenten Jamal Abdel Nasser eröffnet. Die Ausstellung erregte die Aufmerksamkeit palästinensischer sowie arabischer Kunstkreise und das Presseecho in war beträchtlich. Die palästinensische Malerei feierte ihr arabisches Debüt.

In den 1950er Jahren traten zahllose palästinensische Talente in die Fußstapfen von Shammout und Akhal. Anfang der 1960er Jahre gab es Scharen von Kunstgraduierten, die in den palästinensischen Gemeinschaften in der Westbank und im Gaza-Streifen sowie in den arabischen Ländern aktiv waren. Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen wurden oft auf eigene Kosten durchgeführt. Wenn es die finanziellen Mittel erlaubten, nahmen die Künstler an regulären arabischen Ausstellungen teil.

Die prominenten Namen dieser Zeit lauten Tawfiq Abdul ´Aal und Michel Najjar im Libanon, Ibrahim Hazimeh und Samir Salameh in Syrien, Samia Taqtaq, Mohamed Bushnak und Afaf Arafat in Jordanien, Mahmoud Abu Askar, Abdul Aziz Al-'Uqaili, Shafa Sha'ath und die drei Shammouts - Jamil, Omar und Amin - in Gaza sowie Mustafa Al-Hallaj in Ägypten.

Die Gemälde der 1950er Jahre zählten zur realistischen expressionistischen Schule mit Anleihen beim Symbolismus. Die Gründe waren zweierlei: Zum einen lehrten arabische Kunstakademien nach akademischen Methoden, d.h., sie ahmten die visuelle Perspektive der Objekte nach; zum anderen waren die Künstler dieser Periode dieÜberlebenden des Krieges von 1948, die Einwohner der Flüchtlingslager. Sie studierten Kunst nicht nur um der Kunst, um der Ästhetik willen, sondern auch um ihre Gefühle auszudrücken und um ihre Leiden als Palästinenser darzustellen.

Revolution der Kinder
Der Lastenträger von Jerusalem, 1973, Suleiman Mansour
Der Lastenträger von Jerusalem, 1973, Suleiman Mansour

Die Arbeiten der palästinensischen Künstler reflektierten in den 1960er Jahren und im Zuge der Gründung der PLO die Bilder einer aufkommenden Revolution. Dies war ein klarer und unmissverständlicher Beweis für die Verschmelzung der palästinensischen Künstler mit der palästinensischen Sache und dem Bewusstsein der bisherigen Entwicklung.
Vor der Entstehung der PLO hingen künstlerische Aktivitäten ausschließlich von den eigenen Anstrengungen ab. Mit der PLO verbesserte sich die Situation der Künstler, da sie zum ersten Mal zum Empfänger institutionalisierter Förderung und Unterstützung wurden.
Folgende Einrichtungen wurden gegründet:

  • Besondere PLO-Einrichtungen, um die Arbeit der Künstler zu unterstützen, zu fördern und ihre Werke zu veröffentlichen

 

  • Beschäftigung zahlreicher Künstler in kulturellen und politischen Funktionen in der PLO und anderen palästinensischen Widerstandsbewegungen

 

  • Bildung der Generalunion Palästinensischer Künstler (1979), die in Zusammenarbeit mit der Informations- und Kulturabteilung der PLO die Aufgabe wahrnahm, die künstlerischen Fähigkeiten einzusetzen, die Bemühungen zu konsolidieren und die Werke in Einzel- und Kollektivausstellungen, sei es im Ausland oder in der arabischen Welt, bekannt zu machen

 

  • Bereitstellung von Stipendien für junge Talente, um ihnen das Studium der Kunst an Akademien und Universitäten befreundeter Staaten zu ermöglichen.


Neue Möglichkeiten für die Künstler

Die neuen Entwicklungen hatten einen bemerkenswerten Effekt auf die künstlerische palästinensische Arbeit, und zwar in Bezug auf Form und Inhalt. Was die Form anbelangt, so löste sich die Malerei vom realistischen oder expressionistisch-realistischen Stil. Sie erkundete neue Horizonte, neue Stile, Symbolismus, Surrealismus, naive Malerei und neue Farbgebung und machte erst kurz vor der absoluten abstrakten Malerei halt. In Bezug auf den Inhalt blieb das palästinensische Thema der Kernpunkt, dem sich alle anderen Themen unterordneten.

Unter israelischer Herrschaft


Nach der Besetzung der Westbank und des Gaza-Streifens im Jahre 1967 wurden hier lebende palästinensische Künstler aktiv. Künstler aus beiden Gebieten konnten erstmalig miteinander in Kontakt treten und es wurden gemeinsame Ausstellungen und Seminare organisiert. Ihre Aktivitäten - Schaffung von Kunstwerken, Durchführung von Ausstellungen - waren weder einfach noch sicher. Der Weg war voller Hindernisse und Gefahren, angefangen von der Schließung der Ausstellungsräume und Beschlagnahmung der Gemälde bis hin zu direkten Verhaftungen und dauerhaften Inhaftierungen von Künstlern.

Unter den verfolgten Künstlern waren Kamel Mughanni, Absolvent der Kunstakademie von Alexandria und Kunstlehrer an der Al-Najah-Universität - damals noch Kolleg - in Nablus. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; sein Haus wurde unter dem Vorwand, er gehöre einer palästinensischen Widerstandsbewegung an, in die Luft gesprengt. Suleiman Mansour, Absolvent des Kunstinstituts ,,Bezalel" in Jerusalem, wurde zum Verhör durch die Militärbehörden geladen und unter Hausarrest gestellt; einige seiner Gemälde wurden beschlagnahmt.

Fathi Ghaban, Autodidakt aus Gaza, kam wegen des fortgesetzten Gebrauchs der vier Farben der palästinensischen Flagge für sieben Monate ins Gefängnis, seine Ausstellung wurde geschlossen, einzelne seiner Werke konfisziert. Die ,,Galerie 79" in Ramallah, die einzige Ausstellungshalle in der Westbank, wurde wegen der Ausstellung von ,,aufhetzenden" Kunstwerken geschlossen.

Auch palästinensischen Künstlern, die im Israel von 1948 lebten, erging es kaum anders. Einigen Talenten gelang es, sich durchzusetzen und ihre Präsenz zur Geltung zu bringen. Die Prominenten unter ihnen sind Abed Abidi und Dhahir Zaidani, die in der DDR studierten, Marwan Abu Al-Haija, Hanna Mismar, Abdulla Al-Karaa, Assad Azzi, Khalil Rayyan und Ibrahim Hijazi, die gemeinsam mit anderen Kollegen zahlreiche Aktivitäten entfalteten, vornehmlich in den Städten und Gemeinden Galiläas im Norden Palästinas.
Die Arbeiten der Künstler aus den besetzten Gebieten unterschieden sich durch ihren Symbolismus und Surrealismus. Sie konnten ihre patriotischen Gefühle nicht durch den offenen Gebrauch des realistischen oder expressionistisch-realistischen Stiles zum Ausdruck bringen. Surrealismus und Symbolismus boten als indirekte Ausdrucksmittel einen naheliegenden Ersatz.

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Palästina besitzt eine Vielfalt an Künsten
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